Eizellen und Spermien aus embryonalen Stammzellen – eine Zukunftsvision ? Humane Eizellen und Spermien aus embryonalen Stammzellen (ES – Zellen) zu entwickeln, könnte in den nächsten fünf bis 10 Jahren zur Realität werden, sagt Professor Harry Moore von der Sheffield Universität in Großbritannien. Bereits 2005 teilte Behrouz Aflatoonian, ein Mitglied des Teams der Sheffielder Universität, der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE) mit, das humane ES – Zellen unter Laborbedingungen in sogenannte primordiale Stammzellen entwickelt werden können, aus denen sich später Eizellen und Spermien kultivieren lassen. Es war bereits Wissenschaftlern aus den USA und Japan gelungen, in Mäusen Eizellen bzw. Spermien aus ES – Zellen der Maus zu züchten. Selbst aus somatischen Zellen (z.B. Hautzellen) ist es möglich, nach bestimmten Manipulationen reife Eizellen und Spermien zu kultivieren. In der Zukunft könnte es damit möglich sein, unfruchtbaren Paaren mit dieser Methode zu helfen, indem z. B. für Frauen, die nicht in der Lage sind, selbst Eizellen zu produzieren (weil entweder ihre Eierstöcke nicht in der Lage dazu sind oder nach der Menopause), aus ES – Zellen oder Hautzellen genetisch identische Eizellen oder für unfruchtbare Männer reife Spermatozoen generiert werden können. Im Gegensatz zur derzeit praktizierten Eizell- bzw. Samenspende wäre es dann auch gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kinderwunsch oder Frauen nach der Menopause möglich, Kinder zu bekommen, die genetisch mit ihren Eltern verwandt sind. Solche Zellen könnten ebenfalls für das therapeutische Klonen verwendet werden, bei dem genetisch identische Embryonen und damit Geschwisterkinder erzeugt werden können für den Fall einer späteren Knochenmarks- oder Organspende. Die britische Aufsichtsbehörde für künstliche Befruchtung HFE versucht derzeit, mit Wissenschaftlern, Ärzten, Biologen, betroffenen Paaren und anderweitig interessierten Personen ins Gespräch über die ethischen Aspekte dieser Therapien zu kommen. Dazu wurde vom Department of Health (DH) eine zeitlich begrenzte Internet- Seite geschaltet, auf der sich Interessierte in einem Forum über das Für und Wider der Möglichkeit „künstliche Gameten“ zu schaffen, austauschen und ihre Meinung vertreten können. Quelle: BioNews, London, 16.11.2005 |